Freitag, 7. August 2015

Freitagspost: Gefühlskotze

Kommentare:
 

Kennt ihr das, wenn etwas so unfassbar schrecklich ist, so grausam und unglaublich, dass ihr nur noch lachen könnt? Es ist so dermaßen unangebracht und plötzlich fängst du an zu gackern, obwohl du es nun wirklich gar nicht lustig findest. Wie nennt man das?


Meine Gefühle sind komisch

Ich habe einen Artikel bei Vice gelesen, der heißt so. Da geht es um genau solche Dinge. Ich kann mich ziemlich gut in den Autor hineinversetzen. Mir geht es oft so, wenn ich Leute an der Kasse sitzen sehe oder irgendwo ein Essen bestelle, dass ich gar nicht aufhören kann, über deren Leben nachzudenken. Erleben die gerade annähernd so einen Scheiß wie ich oder ist deren Leben total sortiert? Wie kommt es, dass man bei McDonalds oder als Klofrau oder als Consultant arbeitet? Pfeift er sich jeden Tag Drogen ein, betrügt ihn seine Frau, ist sie glücklich?

Wie würde man so ein Gefühl nennen? Den Truman-Show-Komplex?


Das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun

Ich habe es schon immer geliebt, völlig abstrakte Dinge zu tun. Manchmal leider auch gefährlich, vor allem im Umgang mit anderen Menschen. Ist das nur die Langeweile oder richtig bedenklich? Verlassene Häuser betreten, spät durch einsame Viertel laufen, es ist ein Drahtseilakt und wenn 1000x nichts passiert, dann kann es doch beim 1001x so sein. Wie nennt man das, wenn die Unvernunft immer stärker ist?


Zwar versteh ich dich irgendwie schon, aber doch gar nicht

Da gibt es so einen Typ, der verreist unheimlich viel. Es ist der Wahnsinn, was er so erlebt und tut. Ich kannte ihn noch vor dem Blog. Er ist nämlich so einer, der Facebook und so eher furchtbar findet. Kürzlich fragte ich ihn trotzdem, warum er nicht bloggt über seine Reisen. "Mein Privatleben bleibt privat", schnauzt er mich so halb an. Irgendwo verstehe ich das, weil Anonymität auch seine Vorteile hat. Genau wie mit den Beautybloggerinnen, die nirgends ihr Gesicht zeigen. Und doch ist mir dieser Gedanke in diesem Ausmaß so fremd, dass ich mich vielleicht nur belüge und es gar nicht nachvollziehen kann.


Ich glaub, ich habe etwas vergessen

Seit einiger Zeit frage ich mich, was unser Gehirn alles so mit uns macht. Nicht erst, seit ich Lucy auf DVD gesehen habe. Während ich mir Filmschauspieler akribisch behalte, vergesse ich Namen von Lehrern nach zwei Jahren schon. Unser Gehirn filtert Informationen für uns, aber sind sie wirklich vergessen, nur weil wir uns nicht erinnern? Wie heißt das Gefühl, wenn man glaubt, man sieht ein Puzzlestück nicht mehr?


Es gibt unendlich viele solcher Emotionen, die ich nicht benennen kann. Ich denke zu viel nach. Deswegen leide ich mit Sicherheit an Kopfschmerzen. Nur spontan sein, nur mal loslassen, nur mal Spaß haben - schwierig, sehr schwierig. Abschalten, das kann ich gut beim Fotografieren. Beim Schwimmen, beim Lesen. Das hilft zwar nicht immer gegen die Kopfschmerzen, aber es lässt die Gefühlskotze mal Gefühlskotze sein.


Kennt ihr das, diese namenlosen Emotionen?




Die Fotos entstanden in London, direkt beim Camden Market!


Dress*: Mismash
Sneakers: Stan Smith
Watch*: Michael Kors

Pictures by Christine














Kommentare:

  1. Wieder ein toller Text. Ich kann das absolut nachvollziehen. Auch ich beobachte Menschen sehr oft und frage mich, wie wohl ihr Leben so ist. Vor allem, ob sie glücklich sind. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich neidisch bin, auf glücklich wirkende Menschen. Irgendwie will man immer mehr und ist ständig auf der Suche nach DEM perfekten Glück. Doch es sind gerade die kleinen Sachen, die man einfach täglich übersieht. Die kleinen Sachen, die ein glücklich machen.

    Liebste Grüße
    Juli

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  2. Super:) xx
    Bianka
    http://ruhamania.blogspot.hu/

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  3. Oh ja ich kenne alle genannten Emotionen und bin gerade echt froh, dass ich nicht die einzige bin, die sich über solche Sachen Gedanken macht :D

    LG Lydia°

    my-little-creative-world.blogspot.de

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  4. Nur zu gut... Du sprichst mir aus der Seele, mein Kopf ist meistens so voll - ich weiß oft gar nicht womit - und ich kann mich gar nicht damit beschäftigen, wie es mir geht. Aber irgendwas geht dann halt in mir vor. Und ich kann nie genau sagen, was.

    Toller Text, ich mag das Unstrukturierte. Und ich finde, die Schuhe stehen dir echt gut.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
    Casey

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  5. Das erste würde ich als Hysterie bezeichnen.
    Wenn etwas so unvorstellbar mies ist, dass es dafür schon keine Worte mehr gibt, breche ich irgendwann in hysterisches Gelächter aus. Manchmal kann man einfach nur noch lachen.
    Kommt aber meistens nicht gut an. Nur bei denen, die die selbe Sprache sprechen.

    Gedanken über andere mache ich mir auch oft, häufig stelle ich dann sogar noch Vergleiche auf. Eigentlich total falsch, weil man lieber im hier und jetzt und bei sich selber sein sollte, aber schön zu wissen, dass es noch andere Freaks gibt ;).
    <3

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  6. "Während ich mir Filmschauspieler akribisch behalte, vergesse ich Namen von Lehrern nach zwei Jahren schon." - Mir geht es genauso! Ich finde das auch total schräg und kann es mir gar nicht erklären. Eig. denke ich, dass mein Gedächtnis generell nicht so der Hit ist, aber bei sowasist es dann ganz anders... O_o

    Gruß,
    Bearnerdette

    Bearnerdettes Welt
    Bearnerdette auf Reisen

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  7. You look great! :)

    http://izabielaa.blogspot.com

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  8. Liebe Andy, wirklich sehr schöne Bilder und du siehst wie immer richtig toll aus :)

    Ich liebe die nachdenklichen Posts von dir einfach, weil es durchaus berechtigt ist seinen Kopf auch manchmal zu hinterfragen. Das mit dem "über anderer Leute Leben nachdenken" mache ich auch echt häufig und ich kann mich ganz darin verlieren, an einem Bahnhof/Flughafen zu sitzen und zu überlegen, wie sind die Menschen vom Charakter, was fühlen sie gerade und was haben sie vor...

    Viele liebe Grüße und danke dass du ein paar deiner Gedanken mit uns teilst.

    Madeleine
    Maracujabluete.com

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  9. Huhu Andy,

    irgendwie hat der Beitrag mich gerade verwirrt zurückgelassen. Ich fühle irgendwie ziemlich direkt, hab immer ein Wort für das was ich empfinde. Dein Post hat mich aber grade zum Nachdenken gebracht. Weil mir aufgefallen ist, dass das mit meinen klaren Gefühlen erst so ist, seit ich angefangen habe zu meditieren. Ich bin seitdem nicht seltener Traurig oder Unzufrieden, aber ich weiß immer ganz genau, was ich fühle und kann das dann entweder recht schnell wieder loslassen oder einfach beobachten und abwarten, bis es vergeht. Diese Verwirrung, die ist weg. Und das ist mir grade hier beim Lesen irgendwie erst einmal richtig klar geworden. Ich glaube ich werde darüber einmal auf dem Blog schreiben - danke für den nachdenklichen Beitrag!

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  10. Ja, diese namenlosen Emotionen kenne ich nur zu gut - einer der Gründe, weshalb ich mich heute dazu entschlossen habe, endlich mit meinen Gedanken in die Bloggerwelt zu treten.

    Aber man sollte Gefühlen auch nicht immer Namen geben müssen. Häufig sind Gefühle nur für dich wichtig - und sonst für niemanden. Solange du also weißt, was du fühlst, musst du dich nicht dafür rechtfertigen.
    Und selbst, wenn man nicht weiß, was man fühlt, ist das eigentlich auch eine Art Gefühl.

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