Freitagspost: Entblößt - wieviel gibst du von dir preis?

by - Freitag, Februar 03, 2017




Meine Nachbarn bekommen manchmal mehr von mir mit, als mir lieb ist. Sie wissen ganz genau, welche Musik ich gerne und wann höre. Ich weiß noch, wie die Studentin von nebenan Sonntags völlig entnervt bei mir geklingelt hat, weil ich den Bass angestellt hatte und sie für Klausuren lernen musste. Meine Nachbarn wissen Bescheid, wenn ich einen lauten Streit habe am Telefon, wenn ich in Tränen ausbreche oder mich am Backofen verbrannt habe und laut aufschreien muss. Sie wissen wer bei mir zu Besuch ist oder wann ich mir abends eine Pizza bestelle. 

Vor einigen Jahren sagte mal eine Bloggerin, man soll auf dem Blog nur so viel von sich preisgeben, wie man auch seinen Nachbarn erzählen würde. Ein guter Tipp, wie man seine Privatsphäre schützen kann. Nur dass es nicht viel Sinn macht, denn ich würde niemals so viel auf dem Blog berichten, wie meine Nachbarn manchmal gezwungermaßen mitbekommen (könnten). 

Haben wir das eigentlich überhaupt noch - Privatsphäre? Eigentlich ohnehin nicht. Alle unsere Facebook-Nachrichten werden gespeichert, Google weiß besser über unsere Gewohnheiten Bescheid als wir selbst und dank unserer Smartphones werden wir auch noch ständig geortet. Nur noch eine Frage der Zeit, bis auch bei uns überall Videoüberwachung auf den Straßen ist wie jetzt schon in England. 



Wie viel gebe ich also von mir preis?

Es gibt Blogger, die berichten einfach alles von sich. Nicht nur Blogger, auch "Privatmenschen". Da weiß ich genau wie das Verhältnis zur Mutter ist, worüber sie sich beim Freund ärgern, dass sie keine Kinder bekommen können, wann sie ihre Periode haben und welche psychischen Störungen sie haben. So etwas entzaubert den Menschen. Es langweilt auch irgendwie auf Dauer. Wer will schon wirklich wissen, wie stark die Periodenblutung von Bloggerin XY ist? 

Wieso machst du dein Leben öffentlich?

Spätestens wenn man im Starbucks deinen Namen schon weiß wenn du noch nichts gesagt hast und du auch kein Stammkunde bist, ist eins klar: You are instagram-famous. Ist es Narzissmus, Eitelkeit, was bewegt dich dazu? Bei manchen ist das sicher der Fall. Bei anderen überhaupt nicht. Auch Stars, die gezielt im Rampenlicht stehen, sind sehr oft unsicher oder haben ein schwaches Selbstbewusstsein - sie verstecken sich hinter ihren Rollen, dem Make-Up und der Person, die sie vorgeben zu sein. 



Ich habe angefangen zu bloggen, weil ich Blogs toll finde. Es ist furchtbar simpel. Ich fand es damals 2012, als ich das entdeckt habe, unglaublich cool, wie "normale" Mädels ihre Looks und Gedanken teilen. Das war so viel inspirierender als Zeitschriften oder Fernsehen! Und so wollte ich das auch machen - auch meine Gedanken, Looks und Ideen in meinem Online Tagebuch teilen. 

Genau so ist es mit YouTube. Manchmal schaue ich mir lieber 20 Minuten lang an, wie jemand ungeschönt und mit einer normalen Kamera gefilmt über irgendwas erzählt, ein "echter" Mensch, als den Fernseher anzuschalten wo in Dauerschleife DSDS und wie das alles heißt läuft. 

Wäre ich gern ein Star?

Mich würde es unglaublich nerven, wenn in der Presse irgendwelche Schlagzeilen von mir wären, die gar nicht zutreffen, wenn man versucht mich ungeschminkt und hässlich zu fotografieren, eine schlechte Haltung als Babybauch zu verkaufen oder einen guten Bekannten als neuen Lover darstellt. Wenn ich blogge, bestimme ich immerhin selbst, wie ich mich zeige. Kein Foto wird ohne mein Einverständnis veröffentlicht. Was ich sage, entscheide ich und das kann auch kein Fernsehsender aus dem Zusammenhang "cutten" und mich anders darstellen.







Dress: Asos White
Boots: Café Noir

Pictures by Christine










*Dieser Beitrag enthält Affiliate Links

Vielleicht auch interessant:

22 Kommentare

  1. Die Bilder sind total toll!

    Ich versuche immer Themen zu finden, die alltäglich sind. Die Meisten Situationen kennen wir doch alle. Aber meiner Meinung nach muss jeder selbst wissen was er schreibt. Das Internet vergisst nichts.

    viele liebe Grüße
    Melanie / www.goldzeitblog.de

    AntwortenLöschen
  2. Beautiful photos, you look great

    Would you like follow each other? :)
    http://theloth.blogspot.com/

    AntwortenLöschen
  3. Die Fotos sind mal wieder megaklasse! Aber hast du nicht gefroren? :) Ich finde du hast vollkommen recht, es gibt Themen, die können wirklich zuviel des Guten sein. Das Internet vergisst nie und man sollte einfach nicht zuviel preisgeben.

    Liebe Grüße
    Jana

    PS: In den Escape Räumen, in denen wir bisher waren, gab es immer die Möglichkeit für Hilfestellungen! Entweder per Walky Talky oder über einen Bildschirm. Wenn man mal gar nicht weiter weiß, kann man um Hilfe bitten, man wird nicht ganz allein gelassen und irgendwo hatte ich mal gelesen, dass "man kein Einstein sein muss" ;)

    AntwortenLöschen
  4. Ich gebe privates von mir preis, aber nur in Grenzen. Es gibt Dinge die für mich nicht dahin gehören und durch Blog und Insta wissen viele Menschen oft schon mehr als man manchmal möchte.

    AntwortenLöschen
  5. Zum einen sind die Bilder wunderschön geworden! Aber auch deinen Text kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich blogge wirklich gerne, aber man überlegt schon genau, wo man einen Strich ziehen und privates privat bleiben soll. Man teilt gerne vieles mit seinen Lesern, aber es gibt genug, dass man für sich behalten kann und sollte wie ich finde :)
    Liebe Grüße, Mona

    AntwortenLöschen
  6. Ich finde das ist echt ein spannendes Thema. Jeder sollte von sich selber preisgeben, was er sich wagt preiszugeben.
    Ich habe schlechte Erfahrungen damit gemacht, wage es aber nun endlich wieder, meinen Blog etwas persönlicher anzugehen, weil ich es selber immer schade finde, dass die Blogger Welt doch so anonym erscheint.

    Liebe Grüße,
    Jenny
    http://imaginary-lights.net

    AntwortenLöschen
  7. Sehr guter Beitrag! Das stimmt, manchmal geben wir mehr von uns preis als uns bewusst ist. Facebook, Instagram, nicht nur für Blogger ist das Thema wichtig.

    AntwortenLöschen
  8. Wahre Worte!
    Ich finde auch, man sollte nur so viel von sich preisgeben, wie man auch wirklich möchte.

    Allerliebst, Marie Celine | http://marieceliine.blogspot.de

    AntwortenLöschen
  9. Ein richtig toller Text, den ich gerne gelesen habe. Früher wollte ich immer Schauspielerin werden, im Rampenlicht stehen. Mittlerweile bin ich froh, dass es nicht so ist. So kann ich beruhigt auf die Straße gehen und werde nicht gleich überfallen. ☺
    Liebe Grüße Michelle von beautifulfairy

    AntwortenLöschen
  10. Sehr schön. Die Bilder sind fabelhaft geworden! Das muss wohl jeder selbst wissen was er im Netz (und auch sonst so) über sich verraten möchte. Manche Themen müssen nicht unbedingt sein, aber ich muss ja zum Glück nicht drüber lesen.

    AntwortenLöschen
  11. Schöner Beitrag der echt zum Nachdenken anregt und die Bilder sind natürlich mal wieder klasse!

    AntwortenLöschen
  12. Ein wirklich toller Beitrag! Hat mich direkt zum Nachdenken gebracht, ob ich nicht zu viel von mir preis gebe! Bin aber zu dem Entschluss gekommen, dass es sich in Grenzen hält. Die Sachen, die ich Preis gebe, überdenke ich vorher! Und bisher bin ich damit gut gefahren!
    Aber viele Blogger und Instagramer sind sich dem nicht bewusst und das finde ich wirklich schade und traurig!
    Allerliebst
    Mona von Beauty and the beam

    AntwortenLöschen
  13. Schöner Beitrag! :) Bei den Bildern hast du bestimmt seeehr gefroren. :D

    Liebe Grüße

    Anna <3

    annax1303.blogspot.de

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke! :D Dank der Sonne war es gar nicht so kalt wie es wirkt, die hat richtig schön gewärmt! Für ein paar Minuten geht das ganz gut :)

      Löschen
  14. Sehr gut geschrieben. Ich gebe privates von mir auch nur in Grenzen preis, durch Instagram, Facebook & Co. verrät man ohnehin schon mehr als man weiß.

    AntwortenLöschen
  15. Sehr gutes Thema. Stimmt, wir geben manchmal viel zu viel von uns preis und das meistens total unbewusst

    AntwortenLöschen
  16. Ich denke ich gehöre zu den Bloggern die nicht wirklich viel von sich preis geben. Bei mir stehen immer noch die Produkte im Vordergrund und ich bin eigentlich kaum zu sehen :)

    ♡ Dana
    www.danamagnolia.com

    AntwortenLöschen
  17. Liebe Andrea,

    was ein inspirierender Beitrag! :)

    Ich gehöre wahrscheinlich zu denen, die zwar nichts über meine aktuelle Lebenssituation preis gebe - jedoch veröffentliche ich doch viel von meiner Seele. Teile Ansichten über Belanglosigkeiten und über Dinge, die mich bewegen.

    Ob das immer so gut ist...es kommt darauf an. Zumindest finde ich es vertretbar.

    Die Fotos zu dem Post sind übrigens sehr gelungen, ich liebe das Kleid! :)

    Ganz liebe Grüße,
    Tina

    AntwortenLöschen
  18. Was für tolle Bilder!
    Zum Text:
    "Wer will schon wirklich wissen, wie stark die Periodenblutung von Bloggerin XY ist?" Mit diesem Satz bringst du einiges auf den Punkt finde ich! :D
    Es gibt Menschen, die sehen keine Grenze zwischen "Interessiert die Menschen & interessiert keine Sau"...
    Ich finde, nicht nur bei Bloggern ist das der Fall, auch privat, wenn ich durch meine Facebook Freundesliste scrolle bin ich erschrocken, was die Menschen preisgeben...
    Liebe Grüße,
    Lisa ♥

    AntwortenLöschen
  19. Ich finde es total schwierig die richtige Balance zu finden. Ich persönlich finde es anstrengend ständig sein Leben online zu stellen und so permanent auf irgendwelchen Social Media Kanälen abzuhängen. Mich interessiert vieles auch einfach nicht. Aber manchmal habe ich den Eindrucks, dass genau das sehr gut bei Vielen ankommt.

    Liebe Grüße
    Dorina

    AntwortenLöschen
  20. Ich gebe nur sehr bedingt Privates über mich preis. Eigentlich gibt es nur einen einzigen sehr privaten Post über mich. Ich stelle aber fest, dass Blogger, die ihr komplettes Leben online stellen, die meisten Besucher und somit den größten Erfolg haben. Insofern gilt auch hier Sex sells!

    LG Brigitte

    AntwortenLöschen