Freitag, 29. Juli 2016

Freitagspost: You're so not cool - der Mitläufer

Kommentare:
 


"Wichtig ist nur, den anderen zu gefallen. Dazuzugehören. Womit, das ist eigentlich egal."
Michael Nast - Generation Beziehungsunfähig


"Weißt du, Sarah ist eben eine Mitläuferin. Sie möchte auf keinen Fall anecken und will in der breiten Masse mitschwimmen. Deswegen hält sie im Zweifelsfall die Klappe und tut das, was die anderen auch machen." 

Wir alle kennen sie. Mitläufer. Die, die sich den anderen anschließen und im allermeisten eins befürchten: Aufzufallen. Es gibt sie in jeder Bildungsschicht, in jeder Altersgruppe, in jedem Berufsfeld und in jeder Nationalität. Eins verbindet sie alle: Sie sind nicht gut für unsere Gesellschaft. Warum? Nunja, man mag sich nur mal die Geschichte Deutschlands anschauen, dann weiß man ganz genau, was Mitläufer anrichten können. Das ist jetzt natürlich ein drastisches Beispiel. Weniger drastisch, aber auch mies: Mitläufertum führt zu Mobbing. Wenn einer anfängt, schließen sich die anderen an - werden zu Tätern, um kein Opfer zu sein


Fotos: Christine



Der Mensch ist nun mal ein Herdentier. In Gruppen entwickelt das eine ganz eigene Dynamik, die manchmal fast schon unheimlich ist. Man schaue sich da so gewisse Unternehmen an. In einigen Firmen ist es so üblich, jeden Tag unendlich viele Überstunden zu schieben, ganz egal, wie hoch der Arbeitsaufwand ist. Tut es der Chef, so tun sie es nach und nach gleich. Wer da aus der Rolle fällt, der fällt ganz schön negativ auf. Und so kommt es, dass manche Mitarbeiter noch um 9 Uhr abends mit leerem Kopf und müden Augen auf ihren Bildschirm starren, um bloß den Anforderungen gerecht zu werden. 

Bei Sarah ist der Drang zu gefallen so stark geworden, dass sie sich ein zweites Instagram-Profil eingerichtet hat, um erst genau zu checken, ob das neue Bild auch wirklich in den Feed passt. Wenn es nicht genug Likes bekommt, wird es wieder aussortiert. Maja geht noch einen Schritt weiter. Sie lässt es nicht zu, dass jemand Fotos von ihr veröffentlicht, ohne dass sie vorab ihre Augen in Photoshop vergrößert und ihre Arme und Beine schlanker bearbeitet. Ein ungestelltes Bild im Internet? Unvorstellbar.







Der Berliner im Jahr 2016 lebt vegan. Ich frage mich, wie viele von diesen Veganern bestehen bleiben oder ob sie sich nicht nach einer Zeitlang der nächsten Trendwelle anschließen und den Veganismus achtlos an den Nagel hängen. 

Ein Instagram-Profil galt lange Zeit nur als angesagt, wenn man weiße Rahmen hatte. Danach wurde es einen Step schwieriger, weil Rahmen plötzlich out sind und stattdessen komplett weiß gehaltene Feeds angesagt waren. Jetzt geht der neue Trend mehr zu Individualität und da kommen dann die ganzen Fragezeichen in den Köpfen. Was kann ich jetzt bloß noch posten, ohne Rahmen, wie wird man denn "individuell"?

Vielleicht kommt irgendwann mal die Trendwelle, mehr zu sich selbst zu stehen und nicht zu versuchen, jeden Makel auszubügeln.








Kommentare:

  1. Schön geschrieben! Aber ja, das kenne ich noch genau aus der Schule, irgendwie wollte man immer dazugehören und hat sich anstecken lassen von dem, was die anderen gemacht haben. Bloß kein Außenseiter sein...:/

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  2. Vielleicht... aber wahrscheinlich wird der Trend nur wieder vom nächsten abgelöst usw. Eigentlich eine traurige Sache. Mir persönlich sind Mitläufer relativ egal (mal von politischen Themen etc. abgesehen), aber was mich dann wirklich nervt, sind die Mitläufer, die einen für die eigenen Ansichten, Tagen usw. verurteilen. Das nervt mich dann so richtig. Da hilft dann "jedem das seine" auch nicht mehr.

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  3. Mal wieder ein sehr cooler Post, der zum Nachdenken anregt! Ich bin diesen "Rahmen"- und "alle Bilder in weiß"-Trends irgendwie nie gefolgt, ich mag's einfach bunt, haha! Und tolle Bilder von dir! Hab einen wunderbaren Sommer, xo
    http://www.hollylovespaul.com/

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  4. Sehr schön geschrieben und so wahr. Ich weiß noch ganz genau wie ein Mädel mir mal bei einer Sache zugestimmt hat, um keine 5 Minuten später jemand anderem mit der gegenteiligen Meinung zuzustimmen. Aber so ist das im Leben nunmal. Ganz ohne wird es nicht gehen (denn wenn man sich die Mode ansieht, kann man auch nicht sagen, dass alle ganz individuell sind).

    Liebe Grüße,
    Vita

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  5. Sehr guter Beitrag und fabelhafte Bilder! <3 Liebe Grüße aus Breslau!

    Http://www.redchillilounge.com

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  6. Schöner Post! Rahmen mag ich, wenn es zum Bild passt. Wie man individueller wird? Auch mal ehrliche Bilder posten. Wie meine verbrannten Chickennuggets. Ich bin halt nicht perfekt, mein Instagram Account auch nicht!

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  7. Ein fabelhafter Beitrag. Ich kann es gut verstehen, wenn sich Menschen so selbst vor Mobbing schützen möchten, aber das ist wohl der falsche Weg. Komisch, dass manche Personen so eine Macht erlangen...

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  8. Ich kann deine Gedanken so gut nachvollziehen. "werden zu Tätern, um kein Opfer zu sein. " Genau so ist es. Und das ist traurig und absurd. Dass man überhaupt angst haben muss, selbst zum Opfer zu werden, meine ich. Was würde passieren, wenn alle Mitläufer sich gegen den/die Mobber stellen würden?

    Ich finde Instagram hat durch diesen Hype und die ganzen "Insta Blogger" total an Reiz verloren. War es früher eine Plattform, um den Moment zu teilen, ist es heute fast nur noch ein Katalog.
    Ähnlich verhält es sich mit Snapchat. Vor noch ein paar Monaten habe ich gerne mal durch die Snaps gesnapt, mittlerweile sieht man dort ganze Tagesabläufe und es langweilt mich nur noch.

    Liebe Grüße
    Shades of Ivory

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