Freitag, 29. April 2016

Freitagspost: Unentschlossen

Kommentare:
 

"Wie alt bist du, wenn ich fragen darf? - 45.
Ne, jetzt sag doch mal ehrlich. - Schätz mal.
21? - 2 stimmt schon mal
22 dann?"


Dieses Jahr werde ich 29 Jahre alt. Das heißt also ich bin in etwa so alt, wie ich es mir vor 10 Jahren überhaupt nicht vorstellen konnte und noch so jung, dass ich (eigentlich) noch alle Optionen offen habe. Ich könnte jetzt nochmal alles umschmeißen, beruflich und privat, neu anfangen oder eben nicht.

Was heißt das, jetzt schon Ende 20 zu sein? Ich werde grundsätzlich - wenn überhaupt - auf Anfang 20 geschätzt, obwohl ich mich in der Gesellschaft von Mädels, die Anfang 20 sind, wie eine alte Oma fühle. Ganz ehrlich. "Die ist auch schon so alt wie du", sagte eine junge Bloggerin mal bei einem Event zu mir, als sie über eine andere Modebloggerin redete, die gerade 30 geworden ist. So alt, echt?

Das ist jetzt kein Beitrag nach dem Thema, man ist nur so alt wie man sich fühlt und ich bin ja doch irgendwie im Herzen noch Anfang 20, 40 ist das neue 30 und so weiter. Da glaub ich gar nicht so dran.


Your early 20s are a fun time with not a care in the world, but life in your late 20s is flat out scary.


Fotos von Christine


Es ist wirklich beängstigend festzustellen, dass sich gar nicht so viel geändert hat, wie man es sich erträumt hat. Ende 20, fast 30, das hört sich als Teenager steinalt an. Da muss das Leben doch ein ganz anderes sein. Doch es ist nicht so. Nein, ich habe noch nicht alle Kontinente bereist, eigentlich bin ich überhaupt total wenig gereist, ich bin auch nicht dabei eine Familie zu gründen oder habe beruflich viel erreicht. 

Das Tragische ist, ich weiß noch immer nicht wo ich hin will. Ich weiß es sogar weniger als mit Anfang 20, denn damals war ich voller Elan und wollte die große Karriere machen, bis mich die Realität knallhart eingeholt hat. Stillstand, Rückschritt. Ja, ich bin immer noch ehrgeizig. Nur anders.

Irgendwie sind tatsächlich andere Dinge wichtiger geworden. Mein Seelenfrieden zum Beispiel. Ich denke mehr darüber nach, wie ich meinen Alltag schön gestalten kann, anstatt darüber zu grübeln, wie ich - egal wie - meine Träume erreichen kann. Ich versuche mich nicht mehr zu verbiegen. muss nicht mehr immer gefallen oder in allem die Beste sein.

Alles hat seinen Preis und ich frage mich heute viel mehr, was ich bereit bin zu zahlen.




Kommentare:

  1. So schön geschrieben! Und auch, wenn ich noch nicht 29 bin, sondern 24, ich kann einiges davon nachvollziehen. Seit dem Abitur, und damit seit ich vor 5 Jahren ins Ausland gegangen bin, hat sich einiges verändert. Theoretisch habe ich mich in jeder Stadt neu erfinden können, und habe das auch ganz bewusst genutzt. Ich habe an meinen Zielen gearbeitet, mir ist bewusster geworden, was ich will - aber auch, was ich eben nicht will. Allerdings glaube ich auch, dass jedem theoretisch immer alle Möglichkeiten offen stehen - egal ob man 19, 29 oder 69 ist. :)

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  2. Super toll geschrieben. Ich bin die Tage ja 30 geworden und denke gerade jetzt oft an mein jüngeres Ich. Mit 16 habe ich mich gefragt wie ich wohl mit 30 aussehe. Jetzt bin ich es und alles ist gut. Wie früher geplant bin ich noch unverheiratet und ein Kind ist auch nicht in Sicht. Jedenfalls jetzt noch nicht. Ich hätte nicht gedacht, dass 30 sich so jung und gut anfühlt. Ich bin erwachsen. Aber irgendwie auch erst jetzt. Mit Anfang 20 war ich es irgendwie noch nicht, wenn ich das jetzt so vergleiche...

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  3. Ich bin dieses Jahr auch 29 geworden. Wow, das ist echt ein komisches Gefühl irgendwie. Ich habe keine Angst älter zu werden, aber mit 16 war mein Plan mit 28 schon das erste Kind zu haben. Und nun? Zumindest habe ich den passenden Mann dafür nun gefunden und ein Haus und den Hund dazu :D ich freue mich auf alles weitere. Als Teeny erschien mir 30 immer soooo alt, nun fühle ich mich jünger und besser denn je. Und werde auch zum Glück viel jünger geschätzt :D

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  4. Sehr schön geschrieben!
    Ich werde in 2 Monaten 29 und fühle mich noch wie 16 . Zum Glück werde ich in der Regel auch eher auf Anfang 20 geschätzt ;-)
    Klar in manchen Bereichen ist man erwachsener geworden, aber in vielen gefühlt nicht.
    Ich dachte vor zehn Jahren auch immer, dass ich bis 30 bestimmt Ehemann und Kinder haben. War bei meiner Mama ja auch so. Aber siehe da...nix von beiden und bei dem Gedanken an Kinder bekomme ich fast schon ne Panikattacke :-D
    Ich will noch soooo viel machen. Besonders reisen und die Zeit mit meinem Partner genießen. Ich bin noch gar nicht bereit mein Leben wie es jetzt ist aufzugeben.

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  5. Schöner Post, mir geht es da ganz ähnlich wie dir.
    Wenn die "Teenager" heute von "alten Leuten" reden, weiss ich, dass mittlerweile ich gemeint bin.
    30 ist irgendwie so eine magische Zahl, vor der viele (mich eingeschlossen) großen Respekt haben. Ich werde 28 und obwohl ich mich noch gar nicht so "alt" fühle, muss ich ehrlich sagen, dass ich gerne noch mal ein paar Jährchen jünger wäre. Damit ich mehr Zeit habe. Zeit zu leben, Zeit inne zu halten, Zeit mich zu orientieren, umzuentscheiden. Noch mehr von der Welt sehen, vielleicht noch mal ein Jahr ins Ausland gehe oder, oder, oder. Natürlich könnte ich das theoretisch auch mit 35 noch, aber Fakt ist eben auch, dass die biologische Uhr tickt und mit Kind ist es halt etwas schwieriger und vor allem teurer.
    Mit 30 rückt das Thema, was man 20 noch gut 10 Jahre aufschieben kann, immer näher. Meine Mutter hat mich mit Mitte 30 bekommen und ich habe den Unterschied zu jüngeren Müttern eben bemerkt, weswegen ich mir nicht mehr ZU viele Jahre Zeit lassen will.
    Ich habe mich ja vor kurzem entschieden, an einem Kolleg noch einmal 3 Jahre die Schulbank zu drücken um das Abitur nachzuholen, - die Vorstellung (oder eher die Gewissheit), mit Ende 20 noch mal in der Schule zu sitzen ist schon amüsant. Aber letztendlich sollte man sich keine Ketten anlegen und das tun, was man will.
    Und zumindest mental ist man dann doch so alt, wie man sich fühlt.

    Ansonsten stimme ich Julia in allen Punkten zu. Schön zu lesen, dass es noch ähnliche Ansichten gibt. Hattest du meinen Post zum Thema Kinder gelesen? Da geht es darum, dass man mittlerweile total Druck von allen Seiten bekommt und alle um einen herum Kinder haben/kriegen/wollen. Und darum, wie ihnen die Äugeln aus dem Gesicht fallen, wenn man selber zur Zeit weder an Heiraten, noch an Kinder denkt. http://www.shadesofivory.de/kolumne-frauen-kinder-heiraten/

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  6. Ja, so schön so jung zu sein und die Welt noch offen zu haben. Ich gehöre jetzt zum älteren Semester, obschon ich jetzt zwar mehr Lebensweisheit und immer noch Lebenslust habe. Früher mit 17 hätte ich nie gedacht dass hinter 42 noch so etwas wie leben liegt, und heute bin ich sogar rundum zufrieden.
    Liebe Grüsse und tolles Wochenende,
    Ursula

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  7. Perfect post.. www.serdarilefutbol.blogspot.com please me...

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  8. Sehr gut geschrieben :)

    Diese Situation ist auch für mich keine unbekannte...mit Anfang 20 hat man wirklich klare Ziele gehabt, heute mit Anfang 30 sieht das ganze aber etwas anders aus... Trotzdem ist es gut wie es gekommen ist :)

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  9. Mir geht's komplett anders rum irgendwie. Hab mich Anfang 20 total in die Welt geworden gefühlt und wusste nicht wo ich konkret hin will. Jetzt - Ende 20 - bin ich total mit mir im Reinen, zur Ruhe gekommen und fühle mich trotzdem jünger. Find das Alter jetzt richtig schön und freu mich auch auf die 30er. Zeit umzusatteln hat man mMn immer - es fehlt nur meist an Mut ;)

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  10. So schön geschrieben und ich bin "erst" 20. Aber dieser Post macht mich neugierig, wie sich mein Leben in den kommenden Jahren entwickelt. Ich habe viele Pläne, aber bin im Moment noch in einer Phase in der ich hoffe, dass ich auch wirklich alles so durchziehen kann, wie ich es mir wünsche.

    Liebe Grüße.

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