Freitag, 27. November 2015

Freitagspost: Darüberstehen

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Es ist weg. Dieses Gefühl, wütend zu sein, traurig oder angespannt. Ich laufe durch das gleiche Einkaufszentrum wie früher, ohne den Groll im Herzen. Es ist schön, damit abzuschließen. Den Frieden zu finden. Zu sagen, das ist meine Heimatstadt, und es ist ok.

Jana beschreibt in ihrem autobiografischen Buch "Minusgefühle" eine Situation, wie ich sie ganz ähnlich kenne. Sie ist auch so alt wie ich. Die Jugend in der Kleinstadt, in ihrem Fall ein Dorf, zu viel Alkohol, der gelegentliche Joint und davon wie es ist, nicht dazu zu gehören. 

"Hey, wie geht es dir?" Da steht sie, die Freundin von früher. Die mir den Jungen "ausgespannt" hat, den ich auch mal mochte. Sie ist dageblieben, läuft immer noch jeden Tag ihre Runden durch eben dieses Einkaufszentrum und jetzt hat sie selbst ein Kind. Ein Kind, das hier aufwachsen wird, in unseren Fußstapfen. Wie es wohl ist, wenn man nicht weitergezogen ist? Wenn man immer noch hier ist? "Du kommst ja ganz schön rum", sagt sie. Finde ich nicht. Finde ich gar nicht, weil ich nur knappe 40 Kilometer weiter weg wohne und wo komme ich denn schon rum? Bielefeld, München, mal nach Italien. Ich wohne nicht in Berlin, wie es immer der Plan war. Ich war immer noch nicht in Thailand oder den USA. Wenigstens nicht mehr hier, im Einkaufszentrum, ja, das stimmt.




Pictures by Christine


Sie läuft weiter, über die Straße, ihren neuen Freund an der Hand. Ich zögere kurz, überlege ob sie noch mein Bild zuhause hat. Früher zeichnete ich regelmäßig, ich habe ihr einen Kurt Cobain gemalt, mein Jugendidol. Jetzt bin ich selbst schon über 27, wie die Zeit doch vergeht.

Die Geschichten von früher, so leichtsinnig und dumm manche davon sind, ich werde sie nicht vergessen. Wir haben alle so viel Mist gebaut, auf solche Ideen kommt man wohl nur in der Kleinstadt. Ich frage mich, was der oder die wohl so treibt jetzt, 14 Jahre später. Noch ein Leben dazwischen.

In meinem Freitagspost "Willkommen in der Heimat" vor genau einem Jahr habe ich mich gefragt, wann man endlich darüber steht, über dem verhassten Heimatort. Ich habe die Antwort gefunden. Jetzt



da­r­ü­ber­ste­hen
Wortart: unregelmäßiges Verb
(dieser Person oder Sache) überlegen sein, darüber erhaben sein










Kommentare:

  1. Geschafft. Freut mich zu hören, dass du darüber stehst!
    Liebe Grüße
    Hella von http://www.advance-your-style.de

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  2. beautiful!

    www.bstylevoyage.blogspot.com

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  3. Liebste Andy, mal wieder ein ganz toller Post mit vielen hübschen Bildern. Ich komme ja ziemlich viel rum, habe lange in den USA gewohnt und jetzt teils in Spanien. Aber meine Heimat fand ich immer schön, auch wenn es ein kleines "Kuhdorf" war und ist ;-) Liebste Grüße an dich!
    http://www.hollylovespaul.com/

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  4. Your makeup is gorgeous! Love your hair too.

    xo Azu

    www.raven-locks.blogspot.com

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  5. Der Text ist wirklich toll geschrieben, du hast das echt gut in Worte gefasst!
    Die Fotos sind aber natürlich auch klasse, du bist so so hübsch <3

    Liebe Grüße

    http://nilooorac.blogspot.de

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  6. Toller Beitrag - und tolle Bilder. PERFECT!

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  7. I love your blog!
    Do you want to support each other's blog by following each other?:) Please let me know if you do so I can follow you right back x

    xoxo, Yanny

    SURPRISE INSIDE 7

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  8. Sehr schöner Beitrag!
    Klingt sehr ehrlich und emotional...

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  9. Schön geschrieben, ich kenne das Gefühl, das du meinst. Mein "jetzt" Moment ist zum Glück schon eine Weile her - und ich liebe meine Stadt, vermutlich das erste mal seit über 20 Jahren so wirklich!

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