Freitag, 29. Mai 2015

Freitagspost: Ich falle

Kommentare:
 


This is your life and it's ending one minute at a time.

Chuck Palahniuk





Ich falle. Ich falle in Löcher, ich komme da nicht raus. Wir fallen auf, wir lassen nicht los. Ich falle aus. Stand-by Modus, Reboot.

Hellwach. Mitten in der Nacht bin ich hellwach. Insomnia. Wenn ich einmal schlafe, dann will ich nicht mehr aufstehen. Ein neuer Tag, um nicht auszufallen.

Bevor ich falle, fängst du mich bitte auf?








Ich bin acht Jahre alt, da fällt mir auf, dass das Leben nicht immer schön ist. Wenn ich nach Hause gerannt bin, den ganzen Feldweg entlang, weil ich solche Angst hatte vor dem Mann in dem Wagen. Wie ich nach der Schule heimlich mit zu Sara gegangen bin, nur fünf Minuten, so dass es nicht auffällt. Eigentlich waren diese Jahre meiner Kindheit wie im Zeugenschutzprogramm. Stillhalten, sag kein Wort. Fall nicht auf. "Wir sind nicht so wie die anderen", sagt sie.

Im Sommer sammeln sich Ameisenschwärme auf dem Dachfenster. Es waren so viele. Ich stellte mir vor, dass das Fenster zusammenbricht und die ganzen Ameisen in mein Zimmer krabbeln. Der Sommer war lang und egal, wie heiß es ist, ich trage meine Jeansjacke. Keiner soll mich sehen.

"Warum gebt ihr euch das eigentlich?", sagt er. Jetzt, heute, wo ich endlich bei mir angekommen bin. Wo ich stehen kann, ohne zu fallen. 

Es ist schwer, unsichtbar zu sein, wenn man größer ist als die anderen. Nur leider kann man sich nicht kleiner machen, als man ist, egal wie sehr man es versucht. Ein altes Schulfoto, ich schaue nach unten und ich muss lachen, weil der Fotograf einen Witz reißt, doch ich schäme mich so sehr. Meinen Kinderpony lasse ich herauswachsen, klemme ihn mit einer viel zu großen Haarspange zurück. Ich bin dünn wie ein Stixi, sagen die anderen Kinder und blind wie ein Maulwurf.

Ich bin acht Jahre alt und meine Mandeln werden entfernt. Wenn ich aufwache, dann ist keiner da und ich fühle nur Schmerzen. Ich werde nichts mehr essen, wozu auch. Ich bin alleine und so ist es leichter.

Dann habe ich gewartet. Weil es mich nicht losgelassen hat, dass es vielleicht einen Sinn hat. Zu hoffen. Nur so ein Gedanke. "Wir schaffen das", sage ich jeden Tag. "Wir müssen hier nur raus." Ich bin gelaufen und ich hab dich mitgenommen. Um dich aufzufangen. Damit wir uns nicht mehr verstecken müssen. 

Du kannst vor allem davonlaufen, du kannst rennen und es können Jahre vergehen. Dein Schatten holt dich immer wieder ein. Besser, du freundest dich mit ihm an.








It's only after we've lost everything that we're free to do anything.
Chuck Palahniuk


Kommentare:

  1. Das ist irgendwie ein richtig trauriger Beitrag - ich hoffe, dass Du jetzt nicht mehr fällst und wenn doch, aufgefangen wirst!
    Liebe Grüsse
    Ariana

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  2. Das ist ein schöner Text!

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  3. So ein toller Beitrag! :)

    Ich bin hin und weg von den schönen Fotos,
    du siehst so klasse aus!

    Wollen wir mal ein Shooting zusammen machen, wenn ich in deiner Nähe bin? :)

    XX,
    Fashion Blog
    Christina Key

    http://christinakey.com

    http://facebook.com/babywasborn1994

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  4. Ein sehr trauriger Beitrag ...

    Man fühlt mit Dir den Schmerz und die Verzweiflung und wünscht Dir von Herzen, dass Du jemand hast der Dich nun endlich fühlen lässt, was für ein wundervoller Mensch Du bist. ♥

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  5. Die Tage werden länger, die Nächte und die Schatten kürzer. Das wird schon! Das Leben ist ein Wunder und die Welt schön!
    Herzlicher Gruß!

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  6. Was für ein trauriger und zu gleich wunderschöner Text. Wirklich toll!

    Liebste Grüße ♥ MS
    Sparkle & Sand

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  7. Der Text ist sehr traurig, dennoch wunderschön geschrieben :)
    Ich hoffe dir geht es jetzt besser

    LootieLoos plastic world

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  8. wunderschöne Fotos und der letzte Satz mit.. dein Schatten holt dich immer ein... klasse.... trifft es hundert Prozent.
    lg missteina von
    www.beautiful-way-of-life.blogspot.de

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  9. Amazing photos sweetie :D
    http://notebookofclaire.blogspot.gr/

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  10. Hello,

    Beautiful pics ! :D

    Sarah, http://sarahmodeee.blogspot.fr/

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  11. Ich liebe deine Art zu schreiben, auch wenn es sich um solche traurigen oder melancholischen Texte handelt! Ach ja, und dein Kleid ist sooo+ schön!

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  12. Ach, Andrea. Das sind alles so traurige Worte und doch ist dieser Text wunderschön. Er hat mich wirklich sehr berührt, weil ich es auch kenne, wenn man sich alleine fühlt. Aber gerade deswegen finde ich diese eine Textzeile sehr schön: "Jetzt, heute, wo ich endlich bei mir angekommen bin. Wo ich stehen kann, ohne zu fallen."

    Liebste Grüße
    Lisa

    PS: Verstecken brauchst du dich mit Sicherheit nicht. Du bist eine wunderschöne, junge Frau. Die Bilder sind wie immer wundervoll *.* <3

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  13. Was für ein traurig-schöner Text... Hat mir tatsächlich eine Gänsehaut verschafft! Und wie immer ganz bezaubernde Aufnahmen von dir liebe Andrea! <3

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  14. Dein Blick auf dem zweiten Bild ist so WOW...
    lg Markus

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  15. wunderschöne Fotos! Einfach bezaubernd!

    Liebste Grüße ♥

    Sandra von sandrafelicia.blogspot.de

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  16. Ein trauriger Text, aber trotzdem schön und poetisch! Das erste Bild und der Titel haben förmlich geschrien "Klick mich an"! Da kann man gar nicht anders - super ausgewählt!!! ;-)

    LG, Tina

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